Es ist nicht einfach, wirklich gute Leute zu bekommen. Darum ist das Thema „Social Selling“ auch fürs Recruiting wichtig: Durch ganz normale Kommunikation bauen Sie eine Beziehung zu potenziellen Mitarbeitern auf. Das wirkt weniger formell und zeigt rasch, wer in Frage kommt und wer nicht. Und es ergibt sich noch ein weiterer, entscheidender Vorteil für Arbeitgeber.

Stellenanzeigen sind oft viel zu formell

Wissen Sie, was mich an den meisten Stellenanzeigen stört? Sie wirken fürchterlich förmlich. In Stellenanzeigen stellen sich viele Unternehmen auf eine Weise dar, die auf Bewerber schlichtweg abschreckend wirkt. Vor allem die Anforderungen wirken oft wie eine Checkliste, der Bewerber entsprechen müssen.

Was daran schlimm ist, fragen Sie? Na ja: Stellen Sie sich vor, Sie suchen jemand Kreatives fürs Marketing. Wie viel Lust hat der, einer Checkliste zu entsprechen?

Tatsächlich lassen sich viele der wirklich interessanten Leute durch klassische Stellenanzeigen gar nicht für einen Arbeitsplatz begeistern. Sie denken: Wenn das Unternehmen so formalistische Stellenanzeigen rausgibt, ist bestimmt auch der Umgang am Arbeitsplatz dann sehr formell. Wollen wir das? Nein.

Außerdem: Die Benefits für den Bewerber stehen meistens ganz unten oder finden gar nicht statt. Oben stehen die Ansprüche des Unternehmens. Dabei ist es doch heute eher so, dass sich gute Leute ihre Arbeitgeber aussuchen können, richtig?

Bewerber interessieren sich für ganz einfache Dinge

Da läuft also etwas schief in vielen Personalabteilungen. Natürlich: Stellenanzeigen können auch richtig gut sein – den Bewerber-Benefit nach oben stellen und plausibel machen, warum es sich für diesen Arbeitsplatz lohnt, in den Bayerischen Wald oder ins Sauerland zu ziehen.

Oder beschreiben Sie mal, in welchem Team der Bewerber arbeiten wird. Gerade bei Vertretern der MINT-Berufe ist das interessant: Mit welchen Top-Leuten haben wir da so zu tun? Sie müssen ja keine Namen nennen, nur wenn im Team ein Wissenschaftler ist, der schon publiziert hat, dann interessiert das Bewerber doch durchaus. Oder?

Das heißt: Versuchen Sie mal, die Perspektive zu wechseln. Was interessiert Sie an Ihrem künftigen Arbeitsplatz, wenn Sie Bewerberin oder Bewerber sind? Vielleicht stellen Sie fest, dass das gar nicht so sehr die Formalien sind, sondern ganz einfache, menschliche Dinge. Zum Beispiel auch die Frage, ob es in der Nähe auch einen Job für Ihren Partner gibt und vielleicht für die erste Zeit auch mal ein gemietetes Haus. Kann der Arbeitgeber hier helfen? Immerhin sind zahlreiche Top-Arbeitgeber vor allem in Deutschland und Österreich auf dem Land angesiedelt.

Social Selling: Wir sprechen im Recruiting ganz normal miteinander

Deswegen ist „Social Selling“ ein guter Weg, um spannende Bewerber ausfindig zu machen und sie fürs Unternehmen zu gewinnen. Über Social-Media-Plattformen wie LinkedIn, Facebook oder vor allem Xing sprechen Sie ganz normal mit potenziellen Bewerbern. Wecken Sie einfach Interesse für Ihr Unternehmen und die Karrieremöglichkeiten, indem Sie immer wieder kleine, spannende Geschehnisse posten – zum Beispiel über das Team, das ein neues Bauteil entwickelt hat.

Oder beschreiben Sie, wie verschiedene Professionen bei Ihnen Hand in Hand arbeiten. Wichtig ist dabei, dass Sie Ihre Arbeitsplätze nicht nur fachlich interessant machen, sondern vor allem auch menschlich. Posten Sie interessante Beiträge zum Betriebsklima und anderen Themen.

Natürlich steht im Hintergrund Ihre Stellenanzeige, die Sie auch bei Stepstone und anderen veröffentlicht haben – mit der Argumentation aus Bewerbersicht, weshalb jemand bei Ihnen arbeiten sollte, in einer menschlichen Sprache formuliert. Denn wenn Ihre Interessenten auf die Stellenanzeige stoßen, sollen sie ja keinen Schock bekommen und denken: Jetzt war der Kontakt mit Ihnen so schön, und dann schreckt einen doch wieder eine förmliche Stellenanzeige ab.

Menschliches statt förmliches Recruiting

Hinzu kommt übrigens noch ein weiterer großer Vorteil für Ihr Unternehmen als Arbeitgeber: Im lockeren Miteinander lernen Sie Ihre potenziellen Neuzugänge viel besser kennen als durch das klassische formelle Bewerbungsverfahren. Denn Menschen agieren in Social Media viel lockerer und unbefangener, als wenn wir sie einem Verfahren unterziehen. Letzten Endes wollen Sie mit den Menschen ja auch am Arbeitsplatz normal reden.

Und das ist unter dem Strich wichtig: Kommunizieren Sie beim Recruiting menschlich, nicht förmlich. Am Ende haben Sie es mit Menschen zu tun, die sich an ihrem neuen Arbeitsplatz wohlfühlen wollen. Immer mehr gute Leute wollen einen normalen Umgang, keine distanzierte Kommunikation wie in den meisten Stellenanzeigen. Letztlich arbeiten Menschen miteinander – darum geht es.

Ihre Denise Adomeit