„Zeitarbeit ist doch moderner Sklavenhandel!“ Einwände wie diesen habe ich schon oft zu hören bekommen, wenn ich mit meinem Team Personaldienstleister trainiere. Doch woher kommt eigentlich dieser schlechte Ruf? Immerhin ist die Arbeit für viele Menschen auch eine Chance und bietet Mitarbeitern wie Unternehmen einige Vorteile. Warum Zeitarbeit gerade in der aktuellen Zeit an Bedeutung gewinnt und was sich auf dem Arbeitsmarkt dringend ändern muss, habe ich mit Experte Daniel Müller (https://liebezeitarbeit.com/) in einer neuen Podcast-Folge besprochen.


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Was ist Zeitarbeit, was Vermittlung?

Zu Beginn sollten wir erst mal die Begrifflichkeiten klären: Was ist Zeitarbeit, was ist Vermittlung? Bei der Vermittlung wird, wie der Name schon sagt, der Mitarbeiter an einen Kunden vermittelt, der dann auch mit ihm einen Arbeitsvertrag abschließt. Bei der Zeitarbeit hingegen ist der Personaldienstleister derjenige, der den Mitarbeiter anstellt – und somit auch das Risiko trägt, ihn weiter zu beschäftigen, wenn der Auftrag beim Kunden beendet ist.

Warum Zeitarbeit gerade jetzt an Bedeutung gewinnt? Weil wir mit einem immer stärkeren Mangel zu kämpfen haben. Es fehlen nicht mehr nur Fachkräfte, sondern ganz allgemein Kräfte. Selbst für einfache Arbeiten finden sich kaum noch geeignete Mitarbeiter. Die Folgen davon bekommen wir seit einigen Wochen zu spüren: Chaos an den Flughäfen, geschlossene Schwimmbäder, weniger Gastronomieangebote und so weiter. Wie konnte es überhaupt so weit kommen?

Wir müssen jetzt ausbaden, was wir verschlafen haben

Für meinen Gast Daniel Müller ist die Sache klar: Hierbei handelt es sich nicht um eine Herausforderung, die plötzlich aufgetaucht ist. Eigentlich war schon vor zwanzig Jahren klar, dass wir mit Blick auf die demographische Entwicklung auf einen Engpass zusteuern. Wahrhaben wollte es allerdings keiner. Wir haben den Punkt verschlafen, an dem wir hätten handeln müssen. Und wenn wir mal ehrlich sind: Auch heute beschäftigen wir uns noch nicht zielführend mit dem Thema. Das Geschrei ist groß, händeringend suchen Unternehmen nach Mitarbeitern – und tun selbst nichts dafür, dem Mangel entgegenzuwirken. Wer kann, wirbt Talente von Wettbewerbern ab und versucht, sie mit einem höheren Gehalt an sich zu binden. Der Haken an der Sache: Dadurch steigt die Zahl der am Arbeitsmarkt verfügbaren Fachkräfte nicht. Eigentlich müssten sich Unternehmen hier viel stärker einbringen und in den eigenen Nachwuchs investieren.

Studien belegen, dass bis zu 60 Prozent der Angestellten in Deutschland in ihrem Job unzufrieden sind. Doch nur ein Drittel ist bereit dazu, auch aktiv etwas zu ändern – oder tut es bereits. Mit anderen Worten: Es gibt einen sehr großen Markt an passiven Kandidaten. Hier sind Unternehmen gefragt, sich entsprechend ins Zeug zu legen, um die Aufmerksamkeit dieser potenziellen neuen Mitarbeiter für sich zu gewinnen.

Employer Branding: Was bieten Sie Ihren Mitarbeitern?

So viel steht fest: Wir haben längst keinen Unternehmermarkt mehr, sondern einen Mitarbeitermarkt. Wer das jetzt noch nicht verstanden hat – dem können wir auch nicht helfen. Von Kunden werde ich häufiger gefragt, ob es sich lohnt, bei Wettbewerben wie „Great Place to Work“ oder „Tob Job“ mitzumachen. Aus eigener Erfahrung muss ich sagen, dass du schon einiges an Zeit und Mühe investieren musst, um mit deiner Bewerbung erfolgreich zu sein. Ein Invest, der sich aus meiner Sicht jedoch auszahlt! Denn mit Benefits wie einem Kickertisch, einer Dart-Scheibe und einem Obstkorb in der Kaffeeküche lockst du heute keinen mehr hinter dem Ofen hervor. Solche Auszeichnungen zahlen aktiv auf dein Employer Branding ein.

Hand aufs Herz: Was tun Sie für Ihre Mitarbeiter? Wie müssen Sie sich gegebenenfalls verändern? Das bedeutet jetzt im Umkehrschluss jedoch nicht, dass Sie panisch jede Menge Maßnahmen einführen sollen. Daniel und ich halten es beide für besser, sich erst mal auf einige wenige Punkte zu konzentrieren – und diese dann konsequent durchzuziehen und zu leben. Denn was bringt es Ihnen, wenn Sie Bewerbern das Blaue vom Himmel versprechen – und dann nicht mal die Hälfte stimmt? In diesem Sinne: Walk your talk!

Viel Erfolg und Glück auf!

Ihr Martin Limbeck