„Also zwei Tage Homeoffice pro Woche müssen schon sein. Sonst stimmt die Work-Life-Balance einfach nicht!“ Kommt Ihnen das bekannt vor? Gut, Corona hat die Art und Weise, wie wir arbeiten verändert, keine Frage. Doch heißt das automatisch, dass du als Unternehmer oder Führungskraft der Böse bist, wenn du deine Mitarbeiter jetzt wieder ins Büro zurückbittest? Oder in Bewerbungsgesprächen deutlich machst, dass es sowas im Vertrieb in deiner Company nicht gibt und auch nicht geben wird? Warum die Verantwortung für Work-Life-Balance auch bei jedem selbst liegt, lesen Sie in diesem Beitrag.

Wie wäre es mit Work-Life-Blending statt Balance?

Ich habe den Eindruck, dass der Begriff „Work-Life-Balance“ von vielen Menschen auch eher als Ausrede vorgeschoben wird – weil sie keine Lust auf Leistung haben. Denn mal ehrlich, was will uns dieser Begriff eigentlich sagen? Da wird ständig so getan, als wären „Work“ und „Life“ zwei völlig gegensätzliche Dinge. Und das stört mich eigentlich am meisten daran. Ich bin fest davon überzeugt: Wer so denkt, wird niemals zum Spitzenverkäufer werden. Weil es ihm oder ihr im Zweifelsfalle wichtiger ist, pünktlich Feierabend zu machen, als noch das Angebot für den Kunden fertig zu machen.

Für mich ist Arbeiten und Leben ein Mix, einen Begriff wie „Work-Life-Blending“ finde ich daher wesentlich angebrachter. Ich meine, hören Sie etwa auf zu leben, solange Sie im Office oder beim Kunden sind? Ich hoffe doch mal nicht. Und genauso beschäftigen Sie sich doch auch mal abends gedanklich mit einem aktuellen Projekt, während Sie im Liegestuhl im Garten sitzen. Unser Gehirn ist schließlich kein Computer in dem Sinne, dass wir einzelne Tabs oder bestimmte Programme einfach schließen können. Ich arbeite gerne, weil mich das mit Sinn erfüllt. Weil ich meinen Kunden dabei helfe, ihre Ziele zu erreichen. Ich bringe Menschen voran und helfe ihnen, in ihre Kraft zu kommen. Das macht mich glücklich – und daraus ziehe ich auch meine Energie und Freude.

Viele wissen gar nicht, wie gut es ihnen geht

Das Unternehmen „Remote“ hat gerade eine Studie durchgeführt, um festzustellen, in welchen europäischen Ländern es die beste Work-Life-Balance für arbeitende Personen gibt. Deutschland ist dabei auf Platz vier gelandet – hinter Luxemburg, Spanien und Norwegen. Was ich dabei spannend fand: Es ging in der Umfrage gar nicht um die klassischen Themen, die meistens ins Feld geführt werden, sobald die Rede von Work-Life-Balance ist. Also Homeoffice, vier-Tage-Woche, Vertrauensarbeitszeit, Remote Working etc. Stattdessen standen Aspekte im Fokus, die viele Menschen hierzulande oft als selbstverständlich erachten. Wie etwa der gesetzliche, bezahlte Jahresurlaub, Krankengeld, Mutterschutz und Mutterschaftsurlaub oder Zugang zu einem guten Gesundheitssystem.

In vielen Ländern ist das nicht gang und gäbe und ich bin der Meinung, dass sich das gerade die jüngeren Menschen mal ins Bewusstsein rufen sollten, bevor sie mit ihren Forderungen beim Arbeitgeber aufschlagen. Ich habe beispielsweise gute Freunde, die in den USA leben – und da weht ein völlig anderer Wind. Da kannst du froh sein, wenn du 14 Tage Jahresurlaub hast. Und krank wirst du im Idealfall gar nicht, denn schon ein einfacher Arztbesuch kann sich auf Kosten zwischen 1.000 und 2.000 US-Dollar belaufen, die du aus eigener Tasche zahlen musst. Da geht es uns schon wirklich gut!

Work-Life-Balance bedeutet für mich nicht, im Job eine ruhige Kugel zu schieben und auf den Feierabend zu warten. Sondern vielmehr, dass du dein eigenes Leben unter Kontrolle hast. Ich bin überzeugt davon: Wer unstrukturiert arbeitet und mit seiner Energie Raubbau betreibt, wird auch im Homeoffice Stress haben und sich unwohl fühlen. Und auch bei einer 37-Stunden-Woche unzufrieden sein und über das Arbeitsvolumen jammern. Denn Arbeitsbedingungen sind das eine – doch mindestens genauso wichtig ist auch, wie du mit dir selbst umgehst und deine Work-Life-Balance aktiv gestaltest.

Work-Life-Balance: Fünf Tipps für mehr gesunde Produktivität im Vertrieb

  1. Bewegung: Es geht nicht darum, dass Sie vor dem ersten Kundentermin zwei Stunden im Fitnessstudio geackert haben. Sondern darum, Bewegung gezielt in den Alltag einzubauen, um auch mal den Kopf freizubekommen. Die Mitarbeiter in meinem Team gehen jeden Mittag 20-30 Minuten gemeinsam spazieren – Motivation und Stimmung sind danach spürbar im oberen Bereich.
  2. Meditation: Ich weiß, das ist nicht für jeden etwas. Auch ich bin damit lange Zeit nicht so richtig warm geworden. Bis ich gemerkt habe – es gibt weitaus mehr als das, was wir klassischerweise unter Meditation verstehen. Für mich habe ich dann die Wim-Hof-Methode entdeckt, die ich inzwischen seit mehreren Jahren jeden Morgen absolviere. Sie können stattdessen auch bewusst 15 Minuten Musik hören und sich mit allen Sinnen darauf fokussieren. Wichtig ist, den Kopf freizubekommen und so neue Energie und Konzentrationsvermögen zu bekommen.
  3. Effizient arbeiten: Gutes Zeitmanagement ist das A und O, sowohl in der Arbeit als auch im Privaten. Mein Tag ist gnadenlos durchgetaktet, und genau so will ich es auch haben. Ich weiß genau, was ich wann tue – und bin so enorm effizient und sehe am Ende des Tages, was ich alles bewegt habe.
  4. Ausreichend schlafen: Klingt selbstverständlich, doch das ist es absolut nicht. Wer Nacht für Nacht zu wenig schläft, betreibt Raubbau an seiner Gesundheit und bringt sich selbst um seine Leistungsfähigkeit. Ich habe selbst gemerkt, dass ich beruflich wie privat deutlich ausgeglichener und entspannter bin, wenn ich mindestens sechs Stunden erholsamen, tiefen Schlaf hatte. Überleg‘ dir also lieber mal, ob es abends wirklich noch die nächste Serienfolge auf Netflix sein muss.
  5. Ernährung: Gerade im Außendienst ist es mit der gesunden Ernährung so eine Sache. Schnell einen Energydrink an der Tankstelle gekauft, Mittagessen im Drive-Through beim Feinschmecker-Lokal „zur goldenen Möwe“ und so weiter … Das ist mal ok, doch nicht auf Dauer. Aus diesem Grund haben wir seit anderthalb Jahren auch einen Koch, der jeden Mittag frisch für das ganze Team kocht. Zum einen haben die Mitarbeiter dann eine Sorge weniger – abends vorkochen kann auch nerven, wenn du keinen Spaß daran hast. Die gemeinsame Pause schweißt zusammen. Und wer sich gesund ernährt, hat nachweislich mehr Power – körperlich und geistig.

Meine Aufgabe für Sie: Schauen Sie mal genau hin. An welchen dieser Schrauben können Sie noch drehen, um Ihr persönliches Wohlbefinden zu steigern und so entspannter und mit mehr Energie in den Tag zu starten?

Viel Erfolg und Glück auf!

Ihr Martin Limbeck