In Deutschland gibt es immer weniger Gründer – gleichzeitig tritt die „alte Garde“ ab. Jene Unternehmertypen, die unser Land nach dem Krieg wieder aufgebaut und nach vorne gebracht haben. Wer füllt diese Lücke? Wer schafft Arbeitsplätze für die kommenden Jahrzehnte? Und woran liegt es, dass so wenige junge Menschen ein Gründer-Mindset haben und Start-ups in Leben rufen? Antworten auf diese Fragen bekommen Sie in diesem Beitrag sowie in der zugehörigen Podcast-Folge von mir und meinen beiden Gästen Markus Elsässer und Johannes Ellenberg.

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Verkaufen. Der Podcast von Martin Limbeck

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Lieber Exit statt Lebenswerk

Vom Gefühl her scheint die junge Generation einfach anders zu ticken. Natürlich gibt es ein paar, die sich selbstständig machen wollen. Doch diese jungen Gründer denken komplett anders, als wir es von Traditionsunternehmen kennen. Viele von ihnen scheinen nämlich in erster Linie ans Skalieren zu denken – und an den Exit. Ich unterstütze gerne innovative Geschäftsideen und habe mich auch schon als Business-Angel betätigt, doch diese Denke überrascht mich jedes Mal aufs Neue. Ich habe mich mit 28 Jahren selbstständig gemacht und mein eigenes Trainingsunternehmen gegründet. Doch mich hat dabei nicht der Traum getrieben, mit 35 Jahren in Rente zu gehen. Mein Ziel war es, etwas zu verändern – und etwas zu schaffen, das bleibt. Und daran hat sich bis heute nichts geändert.

Start-ups: Bürokratische Hürden schrecken junge Gründer ab

Zugegeben, es ist nicht damit getan, eine coole Idee zu haben, eine GmbH zu gründen und dann läuft der Laden. Laut einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom sind von 300 befragten Start-up-Gründern 63 Prozent unzufrieden mit der Ausführung amtlicher Angelegenheiten. Ein Unternehmen in Deutschland zu gründen, ist ein riesiger bürokratischer Aufwand – ganz zu schweigen davon, wenn du auch noch eine finanzielle Spritze haben möchtest. Ich kann daher schon nachvollziehen, warum einige auf dem Weg entmutigt aufgeben.

Auch wenn ich mich damit vielleicht unbeliebt mache: Die heutige junge Generation ist risikoscheu. Sie hat andere Werte – was wir uns auch selbst zuzuschreiben haben auf Grund der Art und Weise, wie wir sie erzogen haben. Vielleicht hat der ein oder andere den Wunsch, sich selbstständig zu machen. Doch der Wunsch nach Work-Life-Balance und einem geregelten Tagesablauf ist dann doch stärker. Es heißt nicht umsonst „selbst und ständig“, gerade in den Anfangsjahren. Und da haben viele einfach auf gut Deutsch gesagt keinen Bock drauf.

Können statt müssen

Mein Gesprächspartner Johannes Ellenberg, selbst Gründer verschiedener Start-ups, sieht in diesem Mindset jedoch auch einen Vorteil: „Ich erlebe viele junge Menschen, die motiviert sind, durchstarten – und zwar nicht wegen des Geldes. Das haben sie schon von Zuhause aus. Sie wollen eine Idee verfolgen, die Welt besser machen oder konkrete Herausforderungen zu lösen.“

Zugegeben, das ist etwas ganz anderes als unter dem Druck zu stehen, erfolgreich sein zu müssen – weil du sonst nicht weißt, wie du deine Miete bezahlen sollst. Denken wir mal an Steve Jobs, der bei Freunden auf dem Fußboden schlief, Pfandflaschen sammelte und jeden Sonntag sieben Meilen zu Fuß zum nächsten Hare-Krishna-Tempel gelaufen ist, um wenigstens eine ordentliche Mahlzeit zu bekommen. Und schließlich in der Garage seiner Eltern Apple gegründet hat. Für mich völlig klar: Aufgeben war für Jobs keine Option.

Start-ups: Die beste Zeit zum Gründen war gestern – die zweitbeste heute

Anders sieht es bei vielen jungen Menschen aus. Erst mal ein Selbstfindungstrip nach dem Abitur, zwei oder drei Studiengänge ausprobieren – alles von den Eltern bezahlt. Natürlich dürfen wir das nicht pauschalisieren. Doch dieses Mindset ist in der jungen Generation vorhanden. Und das ist bedenklich, denn in anderen Ländern läuft die Entwicklung auf Hochtouren. Im internationalen Vergleich lag Deutschland 2019 auf Platz 15 von 36 Mitgliedsländern der OECD, wenn es um das Thema digitale Innovationsfähigkeit geht. Wie es dazu kommt? Hierzulande fehlen die Start-ups, die die Digitalisierung vorantreiben.

Aus meiner Sicht ist auch die Schule nicht unschuldig an dieser Entwicklung. Vermittlung von unternehmerischem oder wirtschaftlichem Wissen? Leider Fehlanzeige. Hier müssen wir uns in Deutschland wirklich zusammenreißen. Ohne einen neuen Gründerspirit werden wir es auf Grund des internationalen Wettbewerbs nicht mehr so leicht haben wie in den 50er Jahren. Um es mit den Worten meines zweiten Podcast-Gasts Markus Elsässer zu sagen: „Die beste Zeit zum Gründen war gestern – die zweitbeste ist heute.“ In diesem Sinne: Startet durch! Wenn nicht jetzt, wann dann?

Viel Erfolg und Glück auf!

Martin Limbeck