Beim Verkaufserfolg geht es auch um die Tagesform. Wie sind wir drauf, wie fühlen wir uns? Kunden spüren, wie es uns geht, und darum sollten wir eine möglichst positive Ausstrahlung haben. Diese Tagesform können Sie steuern. Hier einige Tipps, die Sie eins zu eins in Ihren Alltag übernehmen können, um damit Ihren Erfolg im Vertrieb zu stärken.

Nicht gut drauf? Die Tagesform hängt von uns ab

„Heute bin ich nicht gut drauf.“ Schon mal gehört, diesen Satz? Er weist auf die Tagesform hin. Während es uns gestern noch besser ging, sind wir heute irgendwie nicht am Start. Und dann läuft es auch bei der Akquise nicht rund!

Denn Kunden spüren genau, wie es uns geht – ob am Telefon, per Videokonferenz oder beim Treffen. Eine miese Stimmung wirkt nach außen und schmälert so unsere Erfolgschancen. Auch die kleinsten negativen Signale stören jede noch so gute Ja-Straße.

Die gute Nachricht: Wir können unsere Tagesform beeinflussen. Auch wenn viele Gründe für schlechte Stimmung scheinbar außerhalb unserer Persönlichkeit liegen. Doch mal im Ernst: Manche Leute lassen sich sogar vom Wetter die Laune vermiesen. An wem liegt das nun? Am Wetter oder an diesen Leuten? Auch bei Sorgen und Angst ist es an uns, dass wir den Umgang damit managen – erst recht bei Unstimmigkeiten, die wir durch einen anderen anderen Umgang mit unserem Körper beheben können.

Wenn uns das Mittagessen ins Aus katapultiert

Letztens war ich bei einem Kunden. Am Vormittag war das Meeting wirklich effizient. Doch dann sind wir in die Kantine gegangen. Was hat mein Kunde gegessen? Schweinebraten mit Klößen und Unmengen dunkler Sauce. Danach war er so platt, dass wir viele Entscheidungen vertagen mussten: „Dazu können wir uns ja noch mal bei Zoom treffen.“ Dabei wollten wir an diesem Tag den Sack zumachen, das Treffen war bis 15 Uhr angesetzt.

Ich weiß auch, dass immer mehr Leute vegan essen und damit Fleisch ablehnen. Und ich will hier auch gar nicht die Debatte eröffnen, ob Veganer gesünder leben als Fleischesser. Mir geht es nur um die Energie, die uns nach einem Essen bleibt. Meine Wahl fiel auf einen bunten Salat mit Rührei. Und was soll ich sagen? Ich war fit bis zum Abend.

„Suppenkoma“ heißt dieses Futter-K.o. in der Seminarszene: Magen und Darm ziehen dem Gehirn die Energie ab. Der Körper strengt sich an, die „kleine Stärkung“ zu verarbeiten, die in Wahrheit ein Schwächung ist. Da hat keiner mehr Kraft für ein Verkaufsgespräch. Und damit sind wir beim Thema: Was beeinflusst die Tagesform? Wie haben wir im Verkauf möglichst viel Energie, um zum Beispiel mit Schwung und positiver Ausstrahlung potenzielle Neukunden anzurufen?

Zur perfekten Tagesform mit dem richtigen Essen

Auch wenn es viele Firmenkantinen nur sehr langsam begreifen: Beim Essen ist es besonders wichtig, was wir wann essen. Die meisten Menschen essen viel mehr, als sie brauchen. Der Schweinebraten mag als gehaltvolle Ausnahme am Sonntag mit Oma und Tante noch durchgehen, doch im Alltag hat er zumindest für mich nichts verloren. In mancher Behördenkantine gibt es sowas jeden Tag, früher gab es dazu oft sogar noch ein Bier.

Was ich empfehle, ist ein Frühstück, das satt macht und lange vorhält. Neben Obst und Nüssen als Müsli mit Joghurt empfehlen sich hier insgesamt langkettige Kohlenhydrate, also vor allem Vollkornprodukte. No-Gos sind für mich helle Weizenbrötchen – schon gar nicht mit Wurst, von der niemand weiß, was drin ist. Und auch Käse empfinde ich als zu schwer. Vorbereiten lässt sich so ein gesundes Frühstück auch fürs Büro oder die Pause im Auto ganz leicht.

Für den Mittag empfehle ich einen leichten Imbiss. Ich meine nicht einen „kleinen“ Imbiss wie Pommes rot-weiß. Sondern einen „leichten“ Imbiss, also zum Beispiel eine vegetarische Bowl, wie sie heute nahezu in allen Innenstädten zu haben ist. Die Macher haben einen super Markt entdeckt und gestalten ihre Bowls lecker und gesund. Fehlt für eine Bowl die Zeit, helfe ich mir mit Quinoa-Reiswaffeln und Nüssen.

Ohne Bewegung geht es nicht

Und dann gehört natürlich Bewegung dazu. Das klingt anspruchsvoll, weil Außendienstler eingetaktet sind, jede Menge Termine haben und viel im Auto sitzen. Also brauchen wir einen Weg, Bewegung hier sinnvoll unterzubringen.

Es muss kein krasser Extremsport sein – für Sportmuffel genügt es erst mal, sich immer wieder zu bewegen, jedes Mal ein bisschen mehr. Wir müssen es übrigens auch nicht „Sport“ nennen, keine Sorge. Wichtig ist einfach, dass Sie in Bewegung sind und bleiben. Simpelster Tipp: immer die Treppe statt den Aufzug nehmen, solange es kein Wolkenkratzer ist.

Toll ist es, wenn Sie mehrmals die Woche laufen oder schwimmen gehen, klar. Aber auch Fahrradfahren ist besser als nichts. Im Büro können Sie den Hula-hoop-Reifen schwingen und am Stehtisch arbeiten – dadurch ist der Körper viel mehr in Bewegung. Wenn Sie auf jemanden warten, stellen Sie sich so lange hin und wippen auf den Fußballen auf und ab, das ist Muskeltraining to go.

Abends übrigens rate ich ebenfalls zu was Leichtem, bevorzugt mit Eiweiß (dazu viel Wasser trinken). Also: Fisch mit Hülsenfrüchten zum Beispiel. Oder einen Gemüseauflauf. Der Darm soll über Nacht nicht so dermaßen beschäftigt sein, dass wir am Morgen unausgeschlafen sind. Der Schlaf sollte Ihnen gehören, nicht Ihrem Speiseplan.

So wichtig ist genug Schlaf für Ihre Tagesform

Apropos Schlaf: Nahezu das schönste Gefühl der Welt ist für mich, morgens fit zu sein. Wenn ich ausreichend geschlafen habe und früh aufstehe. Damit ich genug Schlaf bekomme, gehe ich quasi militärisch vor: 6 Uhr minus 9 Stunden Schlaf ergibt Bettruhe. Es kann also sein, dass ich schon um 21 Uhr schlafen gehe. Oder auch mal um 19 Uhr, wenn der Plan heißt, dass ich um 4 Uhr in den Wald zum Laufen gehe und dann meinen Tag vorbereite.

Ja, klar – viele Menschen schlafen nicht so einfach ein. Es ist ein großes Problem in Deutschland. Vor allem mit Alkohol versuchen viele Menschen, sich müde zu trinken. Das ist tückisch, denn Schlaf unter Alkoholeinfluss ist lange nicht so erholsam wie nüchterner Schlaf. Mein Prinzip ist: Entweder mache ich das eine oder das andere. Also: Entweder feiern wir, dann ist der zusätzliche Schlaf nach einer Party eingepreist. Oder wir sind im Job, dann gilt das Disziplinprogramm.

Auch Medikamente sind zur Volksdroge geworden. Die Leute dopen sich in den Schlaf und verstoßen dabei gegen ureigenste Bedürfnisse des Körpers. Warum tun sie das? Weil sie sich nicht spüren. Weil sie nicht zur Besinnung kommen.

Die richtige Selbstwahrnehmung

Wobei wir beim zentralen Thema wären: Wer diszipliniert sein will, gerade im Vertrieb, sollte einen guten Draht zu sich selbst haben. Und sich selbst deutlich wahrnehmen. Menschen mit einer Verbindung zu sich selbst spüren, wenn etwas nicht stimmt. Sie merken schon lange vor einer Krise, dass sich eine Krise ankündigt – ob durch Überforderung im Sport oder durch Trägheit infolge der Ernährung.

Wer übrigens bei sich ist, wirkt auch auf Kunden verbindlicher und klarer. Menschen merken, ob jemand authentisch und stark ist oder ob ihm etwas fehlt. Und zu dieser Klarheit, auch als Charisma bekannt, können auch Sie finden. Das Zauberwort heißt „Singletasking“.

Die Geschichte vom ZEN-Meister

Am besten fasst das Thema aus Ernährung, Bewegung, Schlaf und Selbstwahrnehmung eine bekannte ZEN-Meister-Geschichte zusammen. Ich erlaube mir, sie ein wenig ins Verkäuferische abzuwandeln.

Die Schüler fragen den ZEN-Meister: „Warum hast du so ein starkes Charisma?“ Der ZEN-Meister antwortet: „Wenn ich E-Mails lese, lese ich E-Mails. Wenn ich zum Kunden fahre, fahre ich zum Kunden. Wenn ich mit ihm spreche, spreche ich mit ihm.“

„Das machen wir doch auch“, sagen die Schüler. „Nein“, antwortet der ZEN-Meister: „Wenn ihr E-Mails lest, fahrt ihr schon zum Kunden. Wenn ihr zum Kunden fahrt, sprecht ihr schon mit ihm. Und wenn ihr mit dem Kunden sprecht, denkt ihr schon an eure E-Mails.“

Eine starke Geschichte, finde ich. Sie bringt das Wesentliche auf den Punkt: Konzentrieren Sie sich auf das, was vor Ihnen liegt, und machen Sie es richtig. Ob es essen oder schlafen ist, feiern oder verkaufen. Und daran halten Sie sich. Sie werden staunen, auf wie viele Menschen Sie plötzlich diszipliniert wirken. Und Ihre Tagesform wird jeden Tag top sein. Ihr Erfolg geht durch die Decke.

Ihr Jens Sauter