„Morgen Herr Schulze, alles gut?“ Ganz ehrlich: Was willst du darauf anderes antworten als: „Ja klar – und selbst?“ Der Nutzen dieser Kommunikation liegt ziemlich genau bei null. Trotzdem verstecken sich viele Führungskräfte hinter solchen bequemen Floskeln. Welche Gründe dahinterliegen und wie es Ihnen gelingt, Ihre Mitarbeiterkommunikation auf ein neues Level zu heben, erfahren Sie hier.

Zwangsharmonie ist kein Allheilmittel

Hand aufs Herz: Wissen Sie, wie es Ihren Mitarbeitern geht? Die meisten Führungskräfte begrüßen ihre Teammitglieder, wenn sie ihnen morgens im Büro über den Weg laufen. Doch ich habe den Eindruck, dass in den seltensten Fällen dabei wirklich miteinander gesprochen wird. Gedanklich schon beim nächsten Telefontermin, muss ein im Vorbeigehen zugeworfenes „Alles gut?“ ausreichen. Die erwartete Antwort schwingt darin bereits mit. Doch warum sagen wir es dann überhaupt? In vielen Fällen schlicht aus Höflichkeit. Weil wir so erzogen worden sind, dass Smalltalk ein probates Mittel ist, um eine angenehme Stimmung zu erzeugen.

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Wer mich kennt weiß, dass ich kein großer Fan davon bin. Ich bin klar, wahr und direkt. Nicht alle Menschen finden das toll – doch ich muss auch nicht mit jedem Menschen, den ich treffe, befreundet sein. Hier liegt allerdings der Hase im Pfeffer. In vielen Unternehmen lautet die oberste Maxime „Harmonie vor Konflikt“. Die Folge: Alle eiern nur umeinander rum, keiner traut sich, wirklich mal den Mund aufzumachen, wenn etwas schiefläuft. Und es möchte sich auch keiner wirklich damit beschäftigen, wie es dem Kollegen oder Mitarbeiter tatsächlich geht. Selbst dann nicht, wenn Mimik und Gestik so gar nicht zum „alles gut“ passen wollen. Aus meiner Sicht ist das deutlich zu kurz gedacht.

Gute Mitarbeiterkommunikation erfordert echtes Interesse

Klar, dicke Luft im Office ist nicht toll. Doch wegsehen und ignorieren ändert gar nichts an der Situation. Ich hatte schon mit Führungskräften zu tun, die mir im Coaching völlig entgeistert davon berichteten, dass ein langjähriger Mitarbeiter einfach gekündigt hat. Aus heiterem Himmel! Tatsächlich waren die Anzeichen da – doch der Chef hat es komplett vermieden, in den Dialog zu gehen und die Gedanken und Gefühle seines Teammitglieds in Erfahrung zu bringen. Da kann ich mir echt nur an den Kopf packen. Als Chef bist du Leitbild für deine Mitarbeiter. Und es ist nicht nur dein Job, dafür zu sorgen, dass alle gute Leistung erbringen. Sondern auch, dass es deinem Team mental gut geht. Schließlich belegen genug Studien, dass zufriedene Mitarbeiter, die sich wertgeschätzt fühlen, am leistungsstärksten sind.

Mein Tipp für Sie: Sagen Sie klar, was Sie sagen und wissen wollen. Stellen Sie konkrete Fragen. Zum Beispiel: „Wie geht es dir heute?“ oder besser noch konkreter: „Wie war dein Wochenende?“, „Wie geht es deiner Frau / deinen Kindern / den Hunden?“ Grundvoraussetzung ist dafür allerdings, dass Sie ein bisschen was über Ihre Mitarbeiter wissen. Und das ist bei nicht wenigen Führungskräften die eigentliche Baustelle. Ich habe in meinen Trainings schon Chefs gehabt, die absolut nicht über das Privatleben ihrer Mitarbeiter wussten und in der Personalabteilung nachfragen müssten, um Wohnort und Steuerklasse zu erfahren. Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: Natürlich bleibt es auch immer dem Mitarbeiter überlassen, was und wie viel er erzählt. Ich bohre nicht nach. Ich habe Teammitglieder, von denen ich so gut wie alles weiß – inklusive Lieblingsessen und den Namen der Katze der Schwiegereltern. Andere halten sich eher bedeckt und wollen Arbeit und Privatleben strikt getrennt halten. Das akzeptiere ich natürlich.

Kennen Sie Ihre Mitarbeiter wirklich?

Als Tipp habe ich eine gute Übung für Sie: Nehmen Sie sich einen Zettel und schreiben Sie folgendes über Ihre vier besten Freunde auf:

  • Familienstand
  • Name von Frau / Kindern
  • Haustiere? Wenn ja, wie heißen sie?
  • Lieblingsessen
  • Liebstes Urlaubsziel
  • Hobby

Aller Wahrscheinlichkeit nach werden Sie das in wenigen Minuten alles ausgefüllt haben. Jetzt drehen wir den Spieß um: Beantworten Sie diese Punkte für Ihre vier langjährigsten Mitarbeiter. Sie kommen ins Stocken und merken, dass Sie kaum etwas beantworten können? Dann ist es höchste Zeit, Ihre Mitarbeiterkommunikation auf den Prüfstand zu stellen.

Mir ist bewusst, dass in Unternehmen oftmals ein anderer Wind weht. Doch diese völlige Anonymität ist nichts für mich. Und ich bin der festen Überzeugung, dass Sie gerade bei den jungen Menschen als Chef auch nicht mehr weit kommen, wenn Sie sie nicht als Persönlichkeit wertschätzen. Fragen Sie also öfter nach – und das bitte mit echtem Interesse!

Ihr Martin Limbeck

PS: Mehr zum Thema wertschätzende Mitarbeiterkommunikation erfahren Sie auch in meinem zweitägigen Seminar Limbeck. Vertriebsführung. am 12. und 13. April! Mehr Infos bekommen Sie hier.