Der Jahresanfang ist für viele Vertriebsteams eine mentale Bewährungsprobe. Die Jahresziele sind definiert, Budgets beschlossen – und dennoch kommen viele Verkäufer nur schleppend in die Gänge. Unserer Erfahrung nach liegt das selten nur am Markt und auch nicht daran, dass die Kunden das Jahr eher ruhig beginnen. Entscheidend ist vielmehr die innere Haltung. Worauf es dabei ankommt und was Verkäufer tun können, um strukturiert loszulegen, beleuchten wir in diesem Artikel.
Der Jahresanfang als mentale Ausrede
Der Januar gilt im Vertrieb oft als Übergangsmonat. Der Urlaub wirkt noch nach, es werden eher Neujahrswünsche und Urlaubserzählungen ausgetauscht als Angebote. Kunden sind noch nicht wieder erreichbar oder reagieren zurückhaltend, Entscheidungen werden auf „später“ verschoben. Diese äußeren Faktoren sind real, keine Frage. Und sie tauchen jedes Jahr aufs Neue auf. Problematisch wird es jedoch, wenn sie zur inneren Legitimation für geringere Aktivität werden. Denn wer den Jahresbeginn als Schonfrist interpretiert, verzichtet freiwillig auf wertvolle Zeit, um seine Zielvorgaben zu erreichen. Spitzenverkäufer akzeptieren diese Denklogik nicht. Sie wissen, dass der Vertrieb kein Stimmungsberuf ist, sondern ein professionelles Handwerk. Für sie ist klar: Das Jahr hat 52 Wochen – und sobald der Jahresanfang gefeiert wurde, geht es wieder los. Unabhängig davon, wie leicht oder schwer es sich anfühlt.
Motivation ist kein Steuerungsinstrument
Motivation wird im Vertrieb immer noch als eine zwingende Voraussetzung für Leistung betrachtet. Keine Frage: Natürlich verkauft es sich gefühlt besser, wenn der Job Spaß macht und die Gespräche mit den Kunden leichtfallen. In der Praxis ist die Motivation allerdings ein eher unzuverlässiges Steuerungselement. Denn sie steht und fällt mit Erfolgen, Rückschlägen und äußeren Einflüssen. Wer immer darauf wartet, motiviert zu sein, bevor er handelt, überlässt seine Leistung am Ende dem Zufall. Professionelle Verkäufer drehen diese Logik um. Sie handeln zuerst – und lassen Motivation als Nebenprodukt entstehen. Grundlage dafür ist eine stabile innere Haltung: die Entscheidung, Verantwortung für die eigenen Ergebnisse zu übernehmen und nicht für die eigene Stimmung.
Selbstführung statt Fremdimpulse
Der wesentliche Unterschied zwischen durchschnittlichen und sehr erfolgreichen Verkäufern liegt in der Selbstführung. Sie organisieren sich unabhängig von externer Motivation, Führung oder kurzfristigen Impulsen. Selbstführung bedeutet, sich selbst klare Regeln zu setzen und diese einzuhalten – auch dann, wenn niemand hinsieht.
Konkret zeigt sich wirksame Selbstführung im Alltag unter anderem durch folgende Prinzipien:
- Feste tägliche Aktivitätsziele, die unabhängig vom aktuellen Pipeline-Status eingehalten werden
- Klare Zeitblöcke für Akquise, Kundenarbeit und Vorbereitung ohne permanente Umplanung
- Schriftlich definierte persönliche Vertriebsstandards, an denen das eigene Verhalten gemessen wird
Diese Strukturen ersetzen emotionale Schwankungen durch Verlässlichkeit im Handeln.
Klarheit vor Aktionismus
Was uns immer wieder auffällt: Viele Verkäufer verwechseln Aktivität mit Wirksamkeit. Während die einen zu Jahresbeginn trödeln, legen andere einen hektischen Aktionismus an den Tag. Das wirkt zwar vielbeschäftigt, entfaltet jedoch meist nur wenig Wirkung. Spitzenverkäufer arbeiten anders. Sie investieren bewusst Zeit in Klarheit, bevor sie handeln. Klarheit reduziert innere Widerstände und erhöht die Qualität jeder einzelnen Aktion.
Hilfreich ist dabei, sich regelmäßig drei einfache Fragen zu stellen:
- Welche Kunden haben aktuell Priorität?
- Welche Aktivitäten zahlen direkt auf meine Ziele ein?
- Was lasse ich bewusst weg?
Wer sich diese Fragen täglich ehrlich beantwortet, benötigt keine zusätzliche Motivation – die nächsten Schritte sind dann eindeutig.
Disziplin ist trainierbar
Disziplin wird oft als Charaktereigenschaft missverstanden. In Wirklichkeit ist sie das Ergebnis klarer Entscheidungen und wiederholter Routinen. Verkäufer, die sich auf Disziplin verlassen, reduzieren ihre Abhängigkeit von Tagesform und Stimmung und damit von Motivation. Sie wissen: Nicht jede Maßnahme fühlt sich gut an, doch jede konsequente Maßnahme erhöht die Wahrscheinlichkeit von Erfolg. Sie wissen schon: Viel hilft viel.
Besonders wirksam sind dabei einfache, aber konsequent eingehaltene Gewohnheiten:
- Täglicher Vertriebsstart zur gleichen Uhrzeit mit klar definierter Erstaktivität
- Konsequente Nachbereitung jedes Kundengesprächs am selben Tag
- Wöchentliche Selbstreflexion anhand von Aktivitäten statt ausschließlich anhand von Abschlüssen
So entsteht eine stabile Leistungskurve, auch in Phasen geringer äußerer Dynamik.
Fünf konkrete Tipps für mehr Haltung im Vertriebsalltag
Wenn Sie Ihre innere Haltung im Vertrieb stärken wollen, kommt es also weniger auf Motivation als auf konsequente Selbstführung an. Die folgenden fünf Tipps helfen Ihnen dabei, unabhängig von Stimmung oder Jahreszeit handlungsfähig zu bleiben:
- Beginnen Sie Ihren Arbeitstag mit einer vertrieblichen Kernaufgabe, etwa der aktiven Kundenansprache oder der Nachverfolgung offener Angebote, bevor Sie sich operativen Nebenthemen widmen.
- Definieren Sie verbindliche persönliche Aktivitätsstandards, die Sie auch an Tagen mit geringer Energie konsequent einhalten.
- Treffen Sie Prioritätsentscheidungen bewusst und halten Sie diese schriftlich fest, um unnötiges Zögern und inneres Verhandeln mit sich selbst zu vermeiden.
- Bewerten Sie Ihren Vertriebserfolg regelmäßig anhand Ihrer Aktivitäten und nicht ausschließlich anhand von Abschlüssen, um emotionale Schwankungen zu reduzieren.
- Nutzen Sie Ihren Kalender als Führungsinstrument, indem Sie Vertriebszeit aktiv schützen und nicht vollständig von externen Anforderungen bestimmen lassen. Blocken Sie sich feste Zeiten für Akquise und Nachfassen, täglich!
Führung beginnt beim Vorleben
Für Vertriebsorganisationen ist Haltung kein individuelles Thema, sondern eine Führungsaufgabe. Führungskräfte, die selbst auf Motivation setzen, verstärken die Abhängigkeit von Stimmung. Wirksame Führung schafft hingegen Klarheit, Verbindlichkeit und Orientierung. Gerade jetzt im Januar zeigt sich, wie belastbar eine Vertriebsstruktur ist. Dort, wo Selbstführung erwartet und eingefordert wird, braucht es keine motivationalen Appelle. Die Arbeit beginnt, weil sie geplant ist. Haltung wird nicht kommuniziert, sondern vorgelebt.
Fazit: Erfolg ist eine bewusste Entscheidung
Wir versichern Ihnen: Selbst Spitzenverkäufer sind nicht permanent motiviert. Doch sie sind klar, diszipliniert und verlässlich in ihrem Handeln. Sie warten nicht auf den richtigen Moment, sondern schaffen ihn durch konsequente Aktivität. Diese Haltung ersetzt Hoffnung, Selbstführung ersetzt Motivation und Klarheit ersetzt Ausreden. Denken Sie also daran, falls Sie sich gerade noch schwertun sollten: Der Jahresanfang ist kein Sonderfall, sondern ein Gradmesser. Wer hier Haltung zeigt, setzt den Ton für das gesamte Jahr – unabhängig davon, wie sich einzelne Tage anfühlen.
Wir wünschen Ihnen viel Erfolg bei der Umsetzung und Glück auf!
Ihr Team der Limbeck Group
PS: Gerne unterstützen unsere erfahren Trainer sie und Ihre Mannschaft dabei, sich die richtige Haltung anzueignen. Lassen Sie uns sprechen! Jetzt Termin vereinbaren >>>